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Warum klingen meine Aufnahmen so dünn und kraftlos?

Dies ist ein weit verbreitetes Phänomen. Man arbeitet so lange und so hart an einem Song, aber was man auch macht, er klingt nicht, als käme er von einer "richtigen" CD, die man im Laden gekauft hat. Hobbymusiker mit Heimstudios denken dann schnell, sie selbst hätten etwas falsch gemacht. Aber auch Aufnahmen von Profimusikern, die von professionellen Toningenieuren in teuren Edelstudios gemacht wurden, klingen in der Regel zunächst nicht so, als könne man sie direkt ins Regal eines Plattengeschäfts stellen.

Was den Unterschied von einer Musikabmischung zu einem kommerziell verwertbaren Tonträger ausmacht, ist das Mastering. Hier wird das klangliche Endprodukt erstellt. Dazu verwendet der Mastering-Engineer spezielle Werkzeuge und Verfahren, die beispielsweise dem Bass den nötigen Punch und der Stimme ihre Durchsetzungsfähigkeit geben. Der "Druck" und der "Glanz" professioneller Veröffentlichungen können tatsächlich nur durch Mastering erzielt werden.

Dennoch kann man bereits bei der Abmischung ? im Heimstudio genauso wie in einem professionellen Aufnahmestudio - einiges tun, damit der Grundsound eines Stückes etwas kräftiger und durchsetzungsfähiger klingt. Gute Ergebnisse kann bereits das Verdoppeln einzelner Instrumenten- und Gesangsspuren liefern. Eine gedoppelte Gesangsspur mit jeweils geringer Lautstärke ist häufig eindrucksvoller als eine laut gestellte Einzelspur derselben Gesangsaufnahme.

Eine andere Methode, die etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl verlangt, ist die sogenannte "parallele Kompression": Einer Originalspur in einem Mix wird eine stark komprimierte Version derselben Spur dosiert zugemischt. Dieses Verfahren eignet sich insbesondere für Drums und E-Gitarren, die dadurch deutlich artikulierter werden und die Abmischung insgesamt aufwerten können.

Wenn man mit seinen Stücken keine kommerzielle CD-Produktion anstrebt, sondern sie zunächst nur an Freunde weitergeben oder bei MySpace uploaden möchte, kann man sie auch durch ausgewählte Effekte wie Kompressoren, Equalizer und Limiter etwas "aufpeppen". Damit sollte man es allerdings nicht übertreiben, da die meisten dieser Effekte in Heim- und Aufnahmestudios auf die Bearbeitung von Einzelspuren ausgelegt sind und nicht auf die Bearbeitung der Stereosumme eines Stücks. Dosiert eingesetzt können sie eine Abmischung aufwerten, aber ihr übertriebener Einsatz kann einen guten Mix ruinieren.

Ganz wichtig ist, dass auch ein sehr guter Mix in der Regel deutlich leiser ist als die gemasterete Version im Laden, und damit beim Vergleichshören gegenüber gekauften CDs "dünner" und "kraftloser" anmutet. Er ist davon nicht automatisch schlecht, sondern kann im Masteringstudio genau den Spielraum ("Headroom") aufweisen, der dafür nötig ist, das Stück in Richtung professioneller Brillanz zu bearbeiten.

Auch wenn man selbst die Stereosumme seines Stücks mit Effekten bearbeitet hat, sollte man unbedingt auch eine unbearbeitete Version aufbewahren, für den Fall, dass das Stück eines Tages professionell nachbearbeitet werden soll.

Frank Gingeleit

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