Antworten durchsuchen


Was ist der Unterschied zwischen einem Re-Mix und einem Re-Master?

heimstudio Sängerin Musikfragen Startbild

Beide Begriffe spielen bei der Vermarktung von Musik eine zunehmend wichtigere Rolle. Leider werden sie häufig unklar und uneinheitlich verwendet.

Re-Master

Der Begriff des Re-Masters ist etwas einfacher zu erklären, daher dieser zuerst. Wenn eine Plattenfirma Re-Masters von bereits veröffentlichten Stücken in Auftrag gibt, kann dies zwei unterschiedliche Gründe haben: Entweder den Klang der Aufnahmen zu modernisieren, oder aber, genau umgekehrt, den authentischen Klang von Musikaufnahmen wiederherzustellen. Der Hintergrund für beides ist, dass die meisten dieser Musikstücke ursprünglich auf analoge Tonbänder aufgenommen und als Vinyl-LPs veröffentlicht wurden. Als Ende der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die CD zum vorherrschenden Tonträger wurde, kamen viele bekannte und erfolgreiche Vinyl-Alben erneut als CDs auf den Markt. Da das Überspielen von Musik auf CDs damals eine völlig neue Technologie war, die von den Plattenfirmen erst erlernt werden musste, waren die klanglichen Ergebnisse recht unterschiedlich. Manche klangen klarer und brillanter als die ursprünglichen Versionen, manche andere wirkten künstlich "aufgemotzt" und wieder andere klangen so schrecklich, dass sie bei vielen Musikliebhabern den Wunsch aufkommen ließen, die CD als Tonträger wäre nie erfunden worden. Mit dem Abstand einiger Jahre wurden die erfolgreichen dieser Alben neu inspiziert und vor weiteren Wiederveröffentlichungen klanglich nachbearbeitet. Die Technik des Überspielens hat sich weiterentwickelt und ebenso die Werkzeuge der Klangbearbeitung. Diese erneute Bearbeitung nennt man Re-Mastering und ihre Ergebnisse Re-Masters. In Einzelfällen handelt es sich dabei sicherlich um einen Marketing-Trick, um das gleiche Album ein weiteres Mal an die Fans zu verkaufen. In der Regel aber arbeiten daran ausgewählte Spezialisten-Teams, im Fall der gleichzeitigen Wiederveröffentlichung des gesamten Katalogs eines Künstlers gerne mal ein Jahr lang, um das bestmögliche Klangergebnis zu erzielen. Die Kosten dafür können daher durchaus weit über den ursprünglichen Produktionskosten eines Albums liegen, und der Käufer erhält für sein Geld eine wertvolle Neubearbeitung.

Re-Mix

Was viele Jüngere nicht wissen: Der Re-Mix ist keineswegs eine Erfindung der aktuellen Dance- und Techno-Szene. Ursprünglich erstand er in Jamaica, und dies überwiegend aus ökonomischen Gründen. Da Aufnahmezeit und Studiomusiker teuer waren, wurden die Backing Tracks gewissermaßen auf Vorrat eingespielt und mit jeweils anderen Sängern und Solo-Instrumentalisten zu völlig unterschiedlichen Stücken neu abgemischt. Der nächste Schritt in Richtung der aktuellen Bedeutung des Begriffs waren Re-Mixe bekannter Musikstücke zu tanzbaren Varianten ihrer selbst. Sie wurden nicht völlig neu aufgenommen, sondern mit anderen Beats und Disco-geeigneten Klangverzierungen unterlegt. Inzwischen hat sich das Re-Mixen zu einem eigenständigen musikalischer Stil entwickelt. Elemente eines Musikstücks werden destilliert und völlig neu zusammengesetzt. Dies kann so weit gehen, dass das Original kaum noch erkennbar ist. In jedem Fall drückt der Re-Mixer dem von ihm bearbeiteten Stück seinen eigenen musikalischen Stempel auf.

Vom Re-Mix zu unterscheiden sind die sogenannte Mix-Revision und die Neuabmischung. Beide dienen nicht der künstlerischen Neuschöpfung, sondern der Reparatur schlechter oder der Auffrischung alter Mixe.

Mix-Revision

Eine Mix-Revision wird gelegentlich erforderlich, wenn bestimmte Elemente einer Abmischung auf anderem Wege nicht optimal korrigiert werden können, zum Beispiel die Stimme zu laut oder zu leise ist, eine Snare im Stereobild rechts außen steht und nicht dort, wo man sie als Teil des Schlagzeug-Ensembles erwarten würde, oder wenn versehentlich Störgeräusche oder gar nicht zu einem Stück gehörende Sounds mit aufgenommen wurden. Zwar sind hochwertige Nachbearbeitungswerkzeuge heutzutage sehr mächtig und wirkungsvoll und können viele Fehler einer Abmischung korrigieren, auch wenn die Originalspuren nicht zur Verfügung stehen. Manchmal ist es jedoch besser, den Originalmix noch einmal zu überarbeiten, also etwa die Snare dorthin zu stellen, wo sie hingehört oder eine übertrieben laut im Vordergrund stehende Stimme etwas leiser zu machen. Wenn also zum Beispiel ein Mastering-Studio zu einer Mix-Revision rät, heißt das keineswegs, dass dem Mastering-Engineer das Stück nicht gefallen würde oder er einen Re-Mix vorschlägt, sondern es geht darum, eine Abmischung im Sinne der ursprünglichen Songidee zu überarbeiten. Denn beim Mastering ist es besser, einen guten Mix zu veredeln als einen schlechten zu "retten".

Neuabmischung

Aus unterschiedlichen Gründen kann auch eine komplette Neuabmischung eines Songs oder eines ganzen Albums erforderlich oder erwünscht sein. Der häufigste Grund für eine Neuabmischung ist ein unter Zeitdruck in einem Aufnahmestudio entstandener Rohmix, der nur in etwa zeigt, wohin die Richtung eines Songs geht, aber noch nicht veröffentlichungsfähig ist. Als Künstler oder Produzent hat man dann die Möglichkeit, entweder das gleiche Studio noch einmal zu buchen (diesmal nicht um etwas aufzunehmen, sondern eine veröffentlichungsfähige Abmischung herzustellen), einen auf Abmischungen spezialisierten Toningenieur zu beauftragen, oder die Spuren im eigenen Heimstudio selbst neu abzumischen. Letzteres kann durchaus Sinn machen, wenn man dort z. B. aus Lärmbelästigungsgründen kein Schlagzeug oder einen Marshall-Turm aufnehmen kann, denn bei der Abmischung geht es lautstärkemäßig in der Regel deutlich zivilisierter zu. Die Entscheidung, seine Aufnahmen selbst abzumischen, ist häufig auch eine Geldfrage und unter der Randbedingung knappen Geldes ein guter Kompromiss: Die Musik wurde in einem professionellen Studio mit hochwertigen Mikrofonen und Vorverstärkern aufgenommen und kann dann zu Hause in aller Ruhe abgemischt werden. Aber auch Aufnahmen der Musikindustrie werden gelegentlich komplett neu abgemischt, zum Beispiel wenn die originalen Tonbänder mit den Einzelspuren digitalisiert wurden. Dann kann eine neue Abmischung Sinn machen und sogar eine Neuveröffentlichung rechtfertigen. Wenn diese Neuabmischung in einem Mastering-Studio endbearbeitet wurde, was ist es dann? Ein Re-Mix oder ein Re-Master? Hier entstehen die eingangs genannten Begriffsverwirrungen: Es handelt sich um eine gemasterte Neuabmischung! Wenn die dann im Handel als Re-Mix oder Re-Master auftaucht, ist das lediglich eine hippe Namensgebung...

"Alles klar?", fragt
Frank Gingeleit

Stellen Sie uns Ihre Musikfrage

Jede Frage zur Musik sollte beantwortet werden. Gib hier Deine Frage ein und wir geben Dir die passende Antwort dazu. Unser Expertenteam erhält die Frage und beantwortet sie innerhalb kürzester Zeit.

Unsere Experten

Florian ScholzAlexander MudrowFrank GingeleitJens LübeckCordula AbstonGero GodeJulia WillbergerSimon MeninRalf WeberChristian Ruhm

Anzeige

Anzeige

mudrow music