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Da ich gerne langsame Balladen spiele, frage ich mich immer wieder, wie ich am Besten schnelle Tempi trainiere?

Langsame Balladen sind wunderbar geeignet, um z.B. bei Blasinstrumenten Ausdruck und Ton zu üben.

Wenn du Stücke oder Etüden in schnellerem Tempo spielen möchtest, übe sie am besten genauso wie eine Ballade:

Fange ganz langsam an, lass zuerst alle zusätzlichen Dinge wie Artikulationen oder Dynamik weg und konzentriere dich allein auf technisch sauberes und fehlerfreies Spiel. Übe auch abschnittsweise, denn wenn du dich im vorletzten Takt verspielst, musst du nicht jedes mal wieder von vorne anfangen. Wenn das funktioniert, kannst du allmählich schneller werden, Artikulationen wie Bindungen oder Staccato hinzu nehmen und auch die Dynamik des Stückes beachten.

Bedenke: wenn du dich verspielst, bist du zu schnell. Dann übe wieder langsamer oder nur die Stelle, die nicht klappt. Das macht es wieder leichter. Ab und zu eine Übepause, manchmal sogar von eingen Tagen oder Wochen hilft, dass sich das Geübte auch setzen kann. Es muss sich sozusagen erstmal im Unterbewusstsein verankern, damit sich die fingertechnischen Abläufe automatisieren und du beim Spielen nicht mehr überlegen musst, was als nächstes dran ist.

Wenn du diese Übetechnik verinnerlicht hast, funktioniert sie von Mal zu Mal immer besser und du benötigst immer weniger Zeit, auch schnelle Stücke einzuüben.

(ergänzend von Frank Gingeleit) Es kommt bei der Beantwortung der Frage auch darauf an, welches Niveau man als Instrumentalist anstrebt. Für Hobbymusiker und alle, die Musik ausschließlich "aus Spaß an der Freud'" machen, ist es sicherlich richtig, dass man sich zunächst einmal traut, ein bekanntes Stück etwas schneller zu spielen und dann ein Stück einzuüben, das von der Kompositionsidee her etwas schneller zu spielen ist.

Strebt man hingegen Virtuosität oder Professionalität an, kommt man nicht drum herum, das Timing als solches zu üben. Man kann das jetzt "abstrakt" nennen oder "unsexy", aber in allen Tempi zuhause zu sein und diese jeweils gleichmäßig durchzuhalten, erfordert das sture Üben zu einem Metronom in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Und was man dann üben sollte, ist vielleicht auch nicht jedermanns Geschmack: Je nach Instrument und Stilistik Akkordfolgen und Tonleitern, festgelegte Figuren wie Arpeggios oder Blues-Licks… - und das "rauf und runter".

Vergleichen kann man das mit dem Seilspringen im Boxtraining. Niemand springt im Ring Seil, aber derjenige, der es trainiert wird Liga-reif und nicht derjenige, der munter drauf los boxt, bis er mal einen Schlag landet... Welchen Weg man geht, hängt von den eigenen musikalischen Zielen ab und ein wenig sicherlich auch vom Temperament, da das Üben von Tonleitern auch ohne Metronom für manche bereits zum "Dornenweg" des Musizierens zählt.

Es gibt aber auch einen alternativen Weg mit hohem Spaßfaktor, der vielleicht nicht allen helfen kann, aber niemandem schadet: Parallel zum eigentlichen Instrument oder während der Ferienzeit der Musikschule ein paar Stunden Schlagzeug-Unterricht zu nehmen. Neben dem Timing werden hier auch Takt und Rhythmik trainiert. Diese Aspekte spielen beim Erlernen von Melodieinstrumenten häufig eine eher untergeordnete Rolle, aber ihre Beherrschung kann den entscheidenden Unterschied machen, wenn man an einem Wettbewerb teilnimmt oder einen Platz in einem Konservatorium anstrebt.

Frank Gingeleit

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