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Wieviel Bedeutung hat Radio? Werden uns die Charts zum Teil "aufgezwungen" oder sind alle Lieder auf Platz 1 wirklich die höchste Qualität?

Die sogenannten "Airplay-Charts" umfassen 200 Positionen. Ziel der Erfassung des Airplays ist die repräsentative Abbildung der Musiknutzung des Hit-Repertoires in Deutschland. Wie bei der Ermittlung der Verkaufscharts ist es auch hier nicht erforderlich, alle existierenden Programme zu erfassen. Es ist ausreichend, eine repräsentative Stichprobe zu bilden. Ansatzpunkte für die Auswahl von Programmen sind folgende Kriterien:

- Reichweite

- Programmstruktur

- Unabhängigkeit bei der Programmentscheidung

Dabei werden prinzipiell sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Anbieter berücksichtigt. Dur Konzentration auf Programme mit großen Reichweiten nähert sich die Stichprobe einer Vollerhebung an. Für alle in der Stichprobe erfassten Programme wird die zugehörige Tagesreichweite herangezogen. Die bei der Ermittlung der Verkaufscharts notwendige Schichtung der Stichprobe (Kriterienklassen) kann bie den Airplay-Charts unterbleiben: Die Summe der berücksichtigten Reichweiten ist so hoch, dass eine weitere Schichtung statistisch nicht erforderlich ist.

Jeder Radiosender erhält Punkte von Media Control/Nielsen (nach Höreranzahl). Je häufiger ein Song gespielt wird, desto höher die Punktzahl und damit landet der Song in den Airplay-Charts.

Die Datenerfassung der Airplay-Charts gliedert sich in folgende Schritte:

1. Schritt

Voraussetzung für die Überwachung ist, dass spätestens zum Zeitpunkt der festgestellten Qualifizierung der Titel bei Nielsen Music Control als Belegexemplar vorliegt, spätestens am Donnerstag vor Beginn der Überwachung. Die Verantwortung für das rechtzeitige Vorhandensein der Belegexemplare bei Nielsen Music Control liegt bei den Repertoireinhabern und ihren Repräsentanten.

2. Schritt

Für die Airplay-Erfassung werden standardmäßig bis zu maximal drei Versionen eines Single-Titels berücksichtigt:

- eine Single-Version (CD oder 7")

- eine Maxi-Version (CD oder 12")

- eine Album-Version

Für jede der drei Versionen muss ein Belegexemplar bei Nielsen Music Control vorliegen. Im Fall von Remixes muss Nielsen mitgeteilt werden, welche der anderen Versionen dafür rausgenommen werden soll.

3. Schritt

Die Registrierung des Airplays geschieht durch Computer. Grundlage der Titel-Identifikation ist ein sehr kurzer Ausschnitt des Frequenzbilds (sog. "Fingerabdruck"). In wenigen, technisch begründeten Ausnahmen geschicht die Registrierung "konventionell", d.h. durch Abhören.

Der Fingerabdruck wird in das Computersystem eingespeichert. Beim Abhören der gesendeten Programme vergleicht der Computer permanent die Sendung mti den gespeicherten Fingerabdrücken und zählt alle Fälle von Übereinstummung der überwachten Versionen für einen Titel.

Voraussetzung dafür ist, dass ein Titel mindestens 2 Minuten ununterbrochen gesendet wird und dass während dieser Zeit die Musikwiedergabe nicht im technischen Sinn verändert wird (z.B. durch Übersprechen oder technische Störungen).

Der Erhebungszeitraum für die Airplay-Überwachung dauert von Freitag früh (5.00 Uhr) bis Freitag der Folgewoche (4.59 Uhr).

Die vom Computer gezählten Airplay-Einsätze werden mit der Reichweite des jeweiligen Senders gewichtet. Da gewichtete Ergebnis jedes Einsatzes wird für alle Versionen eines Titels über alle Programme addiert. Dann werden die Ergebnisse alle überwachten Titel addiert und für alle Titel der Promille-Anteil am Gesamtergebnis berechnet. Dieser Promille-Anteil ist das Kriterium für die Rangfolge der Airplay-Charts.

Fazit: Die höchste "Qualität" wird bei den Airplay-Charts nicht berücksichtigt. Die Erfassung erfolgt nach den oben genannten Kriterien. Über das Ergebnis kann man dann diskutieren aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Ob ein Song im Radio gespielt wird, hängt nur zum Teil von dessen Qualität ab (natürlich müssen gewisse Standards erfüllt sein) - sondern vielmehr davon, wie gut der Radio-Promoter des Künstlers arbeitet, ob der Künstler bereits einen hohen Bekanntheitsgrad hat, wieviele Menschen im Radio anrufen und sich den jeweiligen Song wünschen und ob der jeweilige Song zum Format des Radiosenders passt und so weiter...

Credits: Danke an Uta Bretsch für die Bereitstellung der Details!

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