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Wie unterscheidet sich das Musikbusiness in den unterschiedlichen Ländern Europas?

Zunächst einmal ist das Musikbusiness auch eine Branche, in der Geld erwirtschaftet wird. Wie bei allen anderen Branchen auch, kommen hier die üblichen kulturellen Unterschiede zum Tragen, wenn man internationale Geschäfte machen möchte. Generell koppelt man das Vereinigte Königreich im allgemeinen von Kontinentaleuropa ab und betrachtet die Gebiete separat (ebenso bildet z.B. Nordamerika eine Einheit). Deutschland, Österreich und die Schweiz werden oft zusammengefasst und in der Musikbranche grob als ein Markt betrachtet.

Rein inhaltlich werden Labels, Manager, Musiker, Clubs und Veranstalter trotz EU im Rahmen im Land geltenden Gesetze und gemäß ihrer kulturellen Gepflogenheiten handeln. Bei größerem Bekanntheitsgrad hat der- oder diejenige jedoch mit Sicherheit sehr viel mit internationalen Kunden zu tun und man hat sich zumindest grob mit den verschiedenen Kulturen auseinandergesetzt.

Im Management-Bereich gibt es in UK oft den sogenannten "Business Manager", der sich hauptsächlich um die finanziellen und steuerlichen Belange des Künstlers kümmert. Im Gebiet Deutschland, Österreich, Schweiz ist das meist ein und dieselbe Person, die dafür verantwortlich ist - nämlich ganz einfach der "Manager" (der natürlich Dinge wie z.B. Buchhaltung auch auslagern kann).

Das Urheberrecht funktioniert in jedem Land anders - so sollte man als Künstler genau darauf achten, mit wem man Komposition oder Text teilt und welches Recht für das eigene Werk dann am Ende gültig ist. In deutschsprachigen Ländern gilt das Urheberrecht bis siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers. Ein wichtiger Punkt ist hier, dass das Urheberrecht in Deutschland als Ganzes NICHT übertragbar ist (in USA ist das z.B. der Fall).Auf Verlagsebene ist der Verteilungsschlüssel in Deutschland, Österreich und der Schweiz größtenteils gesetzlich geregelt. Die Prozente können im Ausland anders verteilt sein bzw. sind u.U. sind sie auch nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Für Veranstalter besteht in Deutschland die Besonderheit, dass offiziell Ausländereinkommensteuer und Künstlersozialkasse (KSK) abgeführt werden muss. Der Satz bei der Ausländersteuer beträgt 25% vom Brutto (nicht von der Künstlergage sondern vom gesamten Tour-Umsatz!) und muss vom Veranstalter vorsorglich einbehalten werden. Der Künstler kann sich dann sein Geld im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens zurückholen. Das ist in den meisten anderen Ländern nicht der Fall und ist auch in Deutschland weiterhin Diskussionsthema. Weitere Informationen zur KSK und zur Ausländersteuer gibt's hier.

Die Verwertungsgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben quasi eine Monopolstellung und schütten vierteljährlich aus. In anderen Ländern kann es mehrere Gesellschaften geben und die Auszahlungsstruktur kann sich unterscheiden. Mehr Informationen liefert hier die CISAC.

Ausschüttungen aus Radio-Airplay werden auch in jedem Land anders gehandhabt - so machen manche Länder die Zahlungen von einer Rangordnung abhängig. In Deutschland ist dies nicht der Fall.

Auf Label-Ebene gibt es auch viele feine Unterschiede - das kann von Abrechnungsfragen über Prüfungsrechte bis hin zur Verpackung und Aufmachung eines Tonträgers gehen. Wenn es um Lizenzen geht, so ist es möglich, dass einige Label nicht nach dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz gängigen Händlerabgabepreis (HAP) sondern nach dem Suggested Retail List Price (SRLP) + Uplift berechnen. Hier sollte man sich die Details der verschiedenen Szenarien genau anschauen und den jeweiligen Markt genau recherchieren. Kopplungen nehmen im deutschsprachigen Raum übrigens einen sehr hohen Stellenwert ein. Man denke nur mal an "Bravo Hits" oder "The Dome". Das ist in andereren Ländern meist weniger bedeutsamt - aber auch hier sollte der Künstler grundsätzlich auf Genehmigungsrecht bestehen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Weitere interessante Infos und Statistiken gibt's übrigens bei der IFPI.

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