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Wie hoch ist der HAP für Singles in Österreich?

DEN Händlerabgabepreis (HAP) für DIE Single (CD, LP) in DEM und DEM Land gibt es nicht. Der Hintergrund dafür ist, dass die Preisbildungsprozesse beim Tonträgervertrieb höchst unterschiedlich sind. Hierbei spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

Zunächst einmal führt die Menge der jeweils abgenommenen Tonträger zu unterschiedlichen Verkaufspreisen an den Händler. 100 Exemplare eines Tonträgers an ein großes Geschäft, das darüber hinaus eventuell Teil einer Ladenkette ist, werden von einer Plattenfirma zu einem anderen Preis abgegeben als ein Einzelexemplar an ein Indie-Lädchen.

Ein anderer wichtiger Faktor ist die Preispolitik der Plattenfirmen, die von Tonträger zu Tonträger unterschiedlich sein kann. Beliebte Strategien sind, z.B. bei Newcomern mit einem niedrigen Anfangspreis zu beginnen, der bei zunehmendem Verkaufserfolg steigt, aber auch der umgekehrte Weg, z.B. bei musikalisch anspruchsvolleren Veröffentlichungen in Hinblick auf ein anspruchsvolles und solventes Publikum hochpreisig zu beginnen und sie später günstiger an die Händler abzugeben.

Ein weiterer Faktor ist die Mehrfachverwertung von Tonträgern, z.B. die Aufnahme einer Single in eine Compilation. Auch komplette Alben können in dem Zeitraum, in dem sie auf dem Markt sind, von Full Price über Mid Price zu Nice Price sinken oder re-mastered wieder völlig neu aufgelegt werden, jeweils mit Auswirkungen auf den HAP.

Nahezu unübersichtlich werden die Verhältnisse im Downloadbereich. Nicht nur kann der Preis für das gleiche Musikstück, und damit auch der jeweilige HAP, von Downloadportal zu Downloadportal unterschiedlich sein, sondern innerhalb einzelner Portale gibt es unterschiedliche Preise für unterschiedliche Dateiauflösungen des gleichen Songs (z.B. 128, 196, 320 kbps für MP3s, WAVs für den Einsatz in Clubs). Auch hier können zusätzlich preispolitische Überlegungen eine Rolle spielen, etwa die Stücke einzelner Künstler als "featured artists" günstiger abzugeben (und dies über den HAP zu steuern), um über die Menge der Downloads auf einen höheren Umsatz zu kommen.

Gerade dass der HAP so unterschiedlich sein kann, macht ihn zu einer wichtigen Bezugsgröße und rechnerischen Bemessungsgrundlage für eine Vielzahl von Einzelleistungen und Gebühren innerhalb der Wertschöpfungskette der Musikwirtschaft. Am HAP orientieren sich die Tantiemen der Komponisten und Produzenten ebenso wie der Anteil der Vertriebsvergütung oder die Gebühren der GEMA in Deutschland und der AKM in Österreich. Bezieht man sich dabei prozentual auf den HAP, hat man sichergestellt, dass sich diese Beträge am tatsächlichen Geldfluss orientieren, der, bezogen auf ein und denselben Tonträger, in unterschiedlichen Vertriebswegen höchst unterschiedlich sein kann.

Wenn man, egal in welcher Funktion im Musikbusiness, einen Vertrag hat, der eine prozentuale Beteiligung am Verkaufserfolg eines Tonträgers auf der Basis des HAP vorsieht, ist also weniger die absolute Höhe entscheidend als die vertragliche Zusicherung des Buchprüfungsrechts. Denn nur dadurch lässt sich sauber ermitteln und im Streitfall belegen, welche vergütungsfähigen Erlöse in den unterschiedlichen Vertriebswegen erzielt wurden.

Frank Gingeleit

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